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Hönnetalbahn

Die Hönnetalbahn Menden - Balve - Neuenrade

Betrieb Bahnhöfe Haltepunkte

Die 22 km lange Nebenbahn Menden- Neuenrade wurde zum 01. April 1912 eröffnet. Rund 40 Jahre hatten die Bemühungen um den Bau einer Verbindung durch das Hönnetal gedauert, denn bereits 1872 wurden bei der Eröffnung der Strecke Fröndenberg - Menden Wünsche nach einer Verlängerung ins Hönnetal geäußert.

Bereits 1878 wurde ein erstes Gleis Richtung Hönnetal gelegt, allerdings führte dieses zur damaligen Eisenindustrie Menden-Schwerte, das kurz vor dem heutigen Bf. Lendringsen ein Puddelwerk zur Eisengewinnung betrieb. Nach Konzentration des Unternehmens nach Schwerte 1884, übernahm die spätere Eisengießerei Rödinghausen 1890 das Werk und das Anschussgleis. 1896 erwarben die soeben gegründeten Hönnetaler Kalkwerke das Anschlussgleis und verlegten es auf das andere Hönneufer. So verläuft es noch heute - parallel zur Hönnetalbahn.

Es waren dann aber auch diese Kalkwerke, die eine Weiterführung des Gleises bzw. eine neue Strecke weiter ins obere Hönnetal zunächst erfolgreich verhindern konnten (wobei natürlich andere Faktoren Bedeutung hatten). Man fürchtete die konkurrierenden Kalkwerke des oberen Hönnetals.

Die Versuche doch noch eine Bahnverbindung ins obere Hönnetal zu bekommen gingen jedoch weiter. Die Strecke Hemer - Sundwig ist ein Zeugnis dafür, dass man sogar eine andere Streckenführung im Auge hatte. Auch der Bau der Strecke als Privatbahn wurde erwogen.

Schließlich setzte man sich durch und ab 1910 liefen die Bauarbeiten. Es entstand eine der schönsten Nebenbahnen des Sauerlandes. Mit 2 Tunnels, zahlreichen Viadukten und Durchlässen gestaltet sich die Streckenführung relativ aufwändig, dadurch jedoch sehr reizvoll und behutsam in die Landschaft eingefügt. Der spektakulärste Teil ist der Abschnitt zwischen Oberrödinghausen und Sanssouci. Hier passiert die Bahn den engsten Teil des Hönnetals, was besonders markant zwischen dem Haltepunkt Klusenstein und dem Bahnhof Binolen zur Geltung kommt. Hier befinden sich auch der markante Uhutunnel mit 117 m Länge und der 277 m lange Binoler Tunnel sowie zwei große Viadukte über die Hönne.

Bahnhöfe entstanden in Lendringsen, Binolen, Sanssouci, Balve, Garbeck und dem Endpunkt in Neuenrade. Die Gebäude entsprechen vereinheitlichten Bauplänen der preußischen Staatsbahn. So befindet sich ein Pendant der Bahnhofsgebäude von Balve oder Neuenrade auch in Lindlar, dessen Bahnhof aber keine Gleise mehr hat. Auch die Bauform der Bahnhöfe Lendringsen, Sanssouci und Garbeck findet sich an anderen Bahnhöfen des Sauerlandes, z.B. in Hüinghausen, Dorlar, Schwenke oder Serkenrode.

Der Verkehr der Hönnetalbahn ruhte jahrzehntelang ziemlich gleichmäßig auf Personen- und Güterverkehr. Noch heute ist der Personenverkehr im Wesentlichen durch Schüler und Berufspendler geprägt. Im Güterverkehr dominierten jahrzehntelang Kalk und Holz als Beförderungsgut für die Industrie des Ruhrgebietes. Auch der Stückgutverkehr konnte über die Bahnhöfe Lendringsen und Neuenrade gute Zahlen liefern.

Schon in den 60-er Jahren gab es bei der damaligen Deutschen Bundesbahn erste Gedanken, die Hönnetalbahn stillzulegen, wie viele andere Nebenbahnen des Sauerlandes auch. Das hohe Aufkommen verhinderte dieses Ansinnen. Stattdessen setzte man auf Rationalisierung. Nach dem Ersatz der Dampf- durch Diesellokomotiven und Schienenbusse, wurde einer ersten Welle zwischen 1967 und 1979 die personelle Besetzung aller Bahnhöfe außer Lendringsen aufgegeben, der "Zugleitbetrieb" eingeführt. Die Aufgaben örtlicher Fahrdienstleiter übernahmen nun die Zugführer bzw. heute die Triebfahrzeugführer.

Ab 1989 wurden die Gleispläne der Bahnhöfe erheblich reduziert. Von einst über 30 Weichen existieren zwischen Horlecke und Neuenrade heute nur noch 3 nutzbare Weichen! Das bedingte natürlich auch die Einstellung des Güterverkehrs ab dem Bf. Horlecke, der dem Kalkverkehr zur Fa. Rheinkalk dient.

Zwischen 1994 und 2000 wurde die Hönnetalbahn mit der Aufgabe der personellen Besetzung des Bf. Lendringsen und des Posten 1 in Menden quasi "personalfrei". Zusammen mit den nunmehr eingesetzten modernen Triebwagen wurde ein erhebliches Einsparpotenzial genutzt, um die Hönnetalbahn weiter betreiben zu können.

Heute ist die Hönnetalbahn als "RB 54" Teil des "Sauerland-Netzes", dass der Zweckverband europaweit ausgeschrieben hat und das 2001 durch die Deutsche Bahn AG gewonnen wurde. Moderne Triebwagen der Baureihen 640 und 648 pendeln heute an allen Tagen zwischen Unna, Fröndenberg, Menden und Neuenrade. Die Zukunft der auch heute noch reizvollen Nebenbahn scheint gesichert.

Dass diese Strecke heute noch fährt, ist aber nicht nur ein Verdienst der Rationalisierungen und Modernisierungen. Seit 1985 setzen sich die Eisenbahnfreunde Hönnetal e.V. für den Erhalt der Strecke ein. Sie haben eine Sensibilisierung der Bevölkerung erreicht, die eine Stilllegung ihrer Heimatstrecke nicht hinnehmen wollte. Die Hönnetalbahn wurde so wieder zu dem, was sie seit ihrer Eröffnung immer schon war - ein unverzichtbarer Teil des Hönnetales.